Zehn Geschichten zu 9/11:
9. Die «Geständnisse» des KSM

Aus Anlass des 10. Jahrestags der Terroranschläge vom 11. September 2001 lesen Sie hier zehn kurze Geschichten, die Sie in den Leitmedien nicht finden werden. Es sind zehn Geschichten, die zeigen, wieso eine neue, unabhängige 911-Untersuchung nötig ist. Es sind zehn Geschichten, deren Wahrheitsgehalt Sie in zehn Minuten prüfen können.

Geschichte Nummer 9: Die «Geständnisse» des KSM

Chalid Sheik Mohammed (kurz KSM) ist die zentrale Figur des 11. Septembers 2001. Er gilt als Mastermind hinter den Anschlägen, als Mann, der die Al Kaida-Aktion im Auftrag Osama bin Ladens geplant und organisiert hat. KSMs Aussagen und Geständnisse legen die Basis für die offizielle Geschichtsschreibung, den Bericht der 911-Kommission (siehe Geschichte Nummer 10).

Voraussichtlich 2012 muss sich KSM für seine Taten verantworten – nicht wie von Barack Obama angekündigt vor einem zivilen Gericht in New York, sondern unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor einem Militärtribunal in Guantanamo (1).

Was ist von den Aussagen des Mannes zu halten, der sagt, er habe den 11. September von A bis Z geplant und organisiert? Was sind seine «Geständnisse» wert?

Der Reihe nach: Im Juni 2002 tauchte der Name Chalid Sheik Mohammed erstmals in der Öffentlichkeit auf. Verschiedene Pressedienste meldeten, laut einem hochrangigen US-Anti-Terror-Beamten sei KSM der Kopf hinter 9/11. Das veranlasste KSM nicht etwa dazu unterzutauchen, nein, er gewährte Al-Jazeera-Journalist Yosri Fouda ein Interview, in dem er bezüglich 9/11 die volle Verantwortung übernahm.

Damit war alles klar. Auch heute noch gründet die offizielle Darstellung wesentlich auf dem Buch «Masterminds of Terror», in dem Fouda das KSM-Interview verarbeitete (1).

Zwei Monate nach dem Gespräch mit Fouda, am 1. März 2003, wurde KSM in Rawalpindi, Pakistan, festgenommen. Damit verschwand er – in geheime US-Gefängnisse und schliesslich nach Guantanamo (1).

Dort gab KSM so gut wie alles zu, was der internationale Terrorismus in den Jahren zuvor angerichtet hatte: Er gestand nicht nur erneut, 9/11 von A bis Z geplant zu haben, er übernahm auch gleich für 31 weitere (durchgeführte und geplante) Anschläge die Verantwortung – darunter den ersten Angriff auf das World Trade Center von 1993, den angeblich eigenhändigen Mord am US-Journalisten Daniel Pearl, die Anschläge von Bali 2002 und die Anschläge von Istanbul 2003. Er bekannte sich auch zu geplanten Attentaten auf die Ex-US-Präsidenten Bill Clinton und Jimmy Carter, Pakistans Ex-Präsidenten Pervez Musharraf, auf Papst Johannes Paul II, das NATO-Hauptquartier in Brüssel, den Panama-Kanal und auf Londons Big Ben (1, 2).

Soweit die offizielle Darstellung. KSMs Aussagen – ein Traum für jeden Terrorermittler, könnte man meinen. Betonung auf «könnte», denn …

  • Yosri Fouda ist jeden Beweis schuldig geblieben, dass sein Interview mit KSM tatsächlich stattgefunden hat. Versprochene Video-Aufnahmen hat der Al Jazeera-Journalist bis heute nicht geliefert (1). Zudem herrscht Verwirrung über den Zeitpunkt des Interviews. Fouda hat seine diesbezüglichen Aussagen mehrmals korrigiert. Zuerst hatte er als Termin August 2002 angegeben (1). Dann sagte er, dass das Treffen bereits im April 2002 stattgefunden habe (1). Diese Version ist die bis heute gültige. Laut KSM selbst, das heisst, laut den Transkripten seiner Anhörung vor dem Militärtribunal in Guantánamo, hat das Treffen im Juni stattgefunden (1).
  • Die Berichte darüber, ob und wann KSM tatsächlich verhaftet worden ist, könnten nicht widersprüchlicher sein (1, 2). Laut verschiedenen Quellen soll er bei der Verhaftung gar getötet worden sein (1).
  • Seit seiner offiziellen Verhaftung am 1. März 2003 ist KSM komplett von der Bildfläche verschwunden (1) – kein Anwalt, kein Angehöriger, kein Journalist und natürlich auch kein rechtsstaatliches Gericht hat ihn seither zu Gesicht bekommen hat. Einzig das Rote Kreuz (1) durfte in Guantanamo mit ihm (oder dem Mann, den man als KSM bezeichnet) reden.
  • KSM wurde in Guantanamo laut offiziellen Angaben bis heute 183 Waterboarding-Sessions unterzogen (1, 2). Kein Wunder, dass am Wert seiner Aussagen gezweifelt wird (1, 2, 3, 4) und selbst amerikanische Geheimdienstler davon ausgehen, dass 90 Prozent seiner Aussagen «total fucking bullshit» sind (1). Auch KSMs Kinder sollen gefoltert worden sein, um ihn zum Reden zu bewegen (1, 2).

Was sind KSMs Aussagen also wert? Rein juristisch gesehen: Nichts. Und darum geht es schliesslich. Thomas Kean und Lee Hamilton, die Leiter der 911-Kommission, die KSM weder direkt noch auf den Videos seiner Vernehmungen sehen durften (siehe Geschichte Nummer 10), haben 2006 in ihrem Buch «Without Precedent» geschrieben:

We had no way of evaluating the credibility of detainee information. (…)
How could we tell if someone such as Chalid Sheik Mohammed was telling us the truth? (…)
Where we could not, it was left to the reader to consider the credibility of the source – we had no opportunity to do so. (…)

Klar, dass man einen Prozess gegen KSM, der auf solchen «Fakten» basiert, nicht vor einem zivilen, öffentlichen Gericht gewinnen kann. Das angestrebte Todesurteil erreicht man nur hinter verschlossenen Türen (1, 2).

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2 Kommentare

  1. Günther Zwahlen
    Erstellt am 9. Januar 2013 um 00:29 | Permanent-Link

    Was muss der Mann gelitten haben um diese unmöglich grosse Zahl an Planungen und Organisationsarbeiten gestanden haben zu müssen!

    Wenn der Terrorismus wirklich so umfassend für alles verantwortlich war/ist – EIN „Erfolg“ ist im auf der ganzen Linie zuzugestehen:

    DIE WESTLICHE WELT DAHIN GEBRACHT ZU HABEN, IHRER HUMANITÄREN WERTE ABZUSCHWÖREN UND GENAU SO NIEDERTRÄCHTIG ZU FOLTERN, DIE BÜRGER ZU GÄNGELN UND ZU LÜGEN WIE DIE „SCHURKENSTAATEN“.

    • Samuel Müller
      Erstellt am 26. Januar 2013 um 12:42 | Permanent-Link

      @G. Zwahlen: Die Beispiele in Lybien und Syrien zeigen uns, dass der Terror vom Westen für ihre Zwecke eingesetzt wird. Einmal werden diese Kämpfer mit Waffen ausgerüstet, das andere mal werden sie bekämpft. Je nach vorliegender Problemlage. Betrachten sie diese Menschen als Angestellte unserer Schlapphüte – die meisten jedoch mit sehr schlechten Arbeitsbedingungen.

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