Die Selbstanklage
des Arthur Rutishauser

Am Sonntag vor einer Woche hat die SonntagsZeitung (SoZ) aufgezeigt, wie der Finma-Bericht zum Verhalten der Credit Suisse in den USA entstanden ist: durch eine lupenreine Selbstuntersuchung der CS, im Auftrag der Finma. SoZ-Chefredaktor Arthur Rutishauser war die Empörung anzuspüren.

Wer erwartet hat, dass die SoZ in ihrer aktuellen Ausgabe nachzieht, sieht sich getäuscht. Kein weiteres Wort wird zur unsäglichen Finma-Untersuchung verloren. Kein weiteres Wort zu einem Thema, das jede Menge Fleisch am Knochen bietet, wie ich schon des Öftern gezeigt habe (1, 2, 3).

Stattdessen lesen wir von Arthur Rutishauser etwas ganz Anderes – ein Editorial unter dem Titel «Warum Lügen so attraktiv ist».

Der SoZ-Chef schreibt:

In letzter Zeit werden von Politikern und Managern auffällig oft die absurdesten Ausreden aufgetischt, und zwar obwohl allen klar ist, dass niemand sie glaubt.

Mit Verlaub: Das tönt reichlich naiv. War das früher tatsächlich anders? Wohl kaum. Wenn doch, wäre interessant zu wissen, wieso heute dreister gelogen wird – besser gesagt: gelogen werden kann.

Statt Ursachen zu nennen, tischt uns Arthur Rustishauser ein paar nette Beispiele absurder Ausreden auf. Um zu guter Letzt als Fazit zu schreiben:

Warum aber lügen trotzdem alle, auch wenn es alle merken? Weil es sehr attraktiv ist. Man muss die eigene Politik nicht ändern, kann weitergeschäften und muss nicht zurücktreten. Lügen lohnt sich also für den Einzelnen – und es ist die Aufgabe der Medien und der Politik, dafür zu sorgen, dass die Betroffenen damit nicht durchkommen.

Damit setzt sich Arthur Rutishauser gleich selbst auf die Anklagebank. Denn die logische Folgerung kann nur sein: «In letzter Zeit werden von Politikern und Managern auffällig oft die absurdesten Ausreden aufgetischt», weil Medien wie die SoZ ihre Arbeit nicht machen. Übrigens: Lügner sind nicht «Betroffene», wie Rutishauser schreibt, sondern lügen absichtlich.

Arthur Rutishauser spricht von der Verantwortung der Medien – und wird genau dieser Verantwortung nicht gerecht. Statt der Sache bezüglich Finma-Bericht auf den Grund zu gehen und dafür zu sorgen, dass sich Lügen und Ausreden nicht lohnen, beschränkt er sich auf ein nichtsnutzes Editorial. So plump es tönen mag: Dranbleiben ist ein Fremdwort geworden. Jede Woche wird uns eine neue Schlagzeile aufgetischt, jede Woche ein neuer Skandal. Man zeigt sich kurz empört, um dann zu schweigen – und alle davonkommen zu lassen.

Vielleicht tue ich Rutishauser und der SoZ unrecht. Vielleicht kommen die Finma-CS-Folgegeschichten in den nächsten Ausgaben. Vielleicht. Viel wahrscheinlicher ist aber, dass sich das Thema erledigt hat. Für die SoZ und für alle anderen auch.

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Ein Kommentar

  1. Heinz Fahrni
    Erstellt am 15. Juni 2014 um 22:14 | Permanent-Link

    Wie Martin Spieler war Arthur Rutishauser immer ein Pro-Credit Suisse/Neue Aargauer Bank-Journalist. Wahrscheinlich lässt er seine Konti und die Hypothek dort verwalten und hat deshalb den Mut nicht gegen diese Banken klar Stellung zu beziehen, obwohl für ihn inzwischen klar sein muss, dass es sich bei seinen Schützlingen um kriminelle Organisationen handelt. Als Journalist vom „Sonntag“ zum „Tages-Anzeiger“ zur „SonntagsZeitung“ gewechselt, hat sich Rutishauser nie für die tausenden von CS/NAB-Geschädigten im Zusammenhang mit Lehman Brothers eingesetzt. Ergo wird er sich kaum um FINMA-CS-Folgegeschichten zu diesem Thema bemühen. Einzig Ex-CS/NAB-Angestellte können als Whistleblower diese Sauereien effizient aufdecken.

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