Ich bin viele Andere

Auch ich bin ein bisschen Charlie. Ich bin aber vor allem die Muslime, die unter Vorurteilen leiden. Ich bin die Zivilisten, die westliche Angriffskriege mit ihrem Leben bezahlen. Ich bin die Flüchtlinge, die ein hoffnungsloses Dasein fristen.

Auch ich bin ein bisschen Charlie. Ich bin aber vor allem die Wahrheit, die das erste Opfer von Krieg und Terror ist. Ich bin die Whistleblower, die man verfolgt und bestraft. Ich bin die kritischen Journalisten, die man diffamiert.

Auch ich bin ein bisschen Charlie. Ich bin aber vor allem der Rechtsstaat, der auf der Strecke bleibt. Ich bin die Unschuldsvermutung, die keine Rolle mehr spielt. Ich bin die Verdächtigen, die man einsperrt und foltert. Ich bin die Namenlosen, die man per Drohne ermordet.

Auch ich bin ein bisschen Charlie. Ich bin aber vor allem die offene Gesellschaft, die in Gefahr ist. Ich bin die Menschenrechte, die man mit Füssen tritt. Ich bin die Bürgerrechte, die beschnitten werden.

Auch ich bin ein bisschen Charlie. Ich bin aber vor allem viele Andere.

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Ein Kommentar

  1. Erstellt am 14. Januar 2015 um 17:43 | Permanent-Link

    In letzter Zeit war ich mit meiner Frau mehrere Male im Krankenhaus von St. Pölten, da sie sich die Speiche des linken Unterarms gebrochen hatte. Was konnte ich da in der Unfallstation nicht alles sehen! Vor allem die hinfälligen, alten, ausgemergelten Menschen, die auf Spitalsbetten hereingerollt wurden. Welches Elend! Und immer wieder kam mir der Satz in den Sinn: „Tat Tvam Asi!“ – „Das bist du!“

    Der Satz kennzeichnet den Advaita-Vedanta. In mir lebt aber auch die buddhistische Sicht auf diesen Satz.

    Diese Betroffenheit – wo wird sie mich noch hinführen?

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