Philipp Müller stellt die richtigen Fragen

Während die Schweizer Medien die Veröffentlichung des internen Finma-Berichts zum Lehman-Konkurs mit einer Ausnahme konsequent totgeschwiegen haben, tut sich wenigstens auf dem politischen Parkett etwas. Der Aargauer FDP-Nationalrat Philipp Müller hat in der Dezembersession eine Interpellation zu den Widersprüchen zwischen offiziellem und internem Finma-Bericht eingereicht:

  1. Wie sind die eklatanten Widersprüche zwischen dem FINMA-Bericht vom März 2010 und demjenigen vom März 2009 zu erklären?
  2. Wieso wurde der Aspekt der «Credit Spreads» im Bericht vom März 2010 konsequent verschwiegen, obwohl dieser im früheren Bericht noch eine zentrale Rolle gespielt hatte?
  3. Warum behauptet die FINMA im Bericht vom März 2010, die Lehman-Gruppe habe bis zum Zeitpunkt der Insolvenzerklärung über eine gute Bonität verfügt, obwohl im Bericht vom März 2009 darauf hingewiesen wird, dass zahlreiche Banken den Vertrieb von Lehman-Produkten aufgrund der Bonität bzw. des Kreditrisikos teilweise bereits früh im Laufe der Kreditkrise gestoppt hatten?
  4. Wie kann die FINMA im Bericht vom März 2010 behaupten, die Credit Suisse habe eine vergleichsweise grosse Anzahl von Kunden im Rahmen ihres Kulanzangebots ganz oder teilweise entschädigt, wo sie doch wissen musste, dass lediglich 3700 von 10’000 Kunden ein Teilentschädigungsangebot erhalten haben und von CHF 1.321 Milliarden gerade einmal 150 Millionen zurückbezahlt wurden?
  5. Wie erklärt sich die radikale Kehrtwende der FINMA in Bezug auf die Frage, ob strukturierte Produkte für Sparer und Kleinanleger geeignete Anlageinstrumente sind?
  6. Wie konnte die FINMA in den beiden Berichten zu so unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen, was die Risikoaufklärung und Ausgestaltung der CS-Factsheets betrifft?
  7. Wie konnte die FINMA in den beiden Berichten zu so unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen, was die Anreizsysteme für die variablen Bestandteile der Beraterhonorare betrifft?
  8. Warum geht die FINMA im Bericht vom 2. März 2010 mit keinem Wort auf die sehr hohe Konzentration von strukturierten Lehman-Produkten in den Portefeuilles von Credit-Suisse-Kunden ein, obwohl der Aspekt des Klumpenrisikos und der fehlenden Diversifikation im Bericht von März 2009 noch eine zentrale Rolle gespielt hatte?

Das sind die richtigen Fragen. Ob sie etwas bewirken werden, bleibt abzuwarten. Der Ball liegt jetzt beim Bundesrat.

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